Prototypen, Pilotanlagen und Fristen

Prototypen, Pilotanlagen und Fristen

Die Hersteller von Erzeugungsanlagen wie Windenergieanlagen, PV oder BHKW müssen heute immer schneller neue Anlagengenerationen entwickeln, um mit den sinkenden Einspeisevergütungen Schritt halten zu können. Dies hat dazu geführt, dass in letzter Zeit besonders viele neue Anlagentypen bzw. „Prototypen“ errichtet wurden. Für diese Anlagen gelten besondere Anforderungen, Ausnahmen und Fristen.

Für den Bereich der Anlagenzertifizierung und Konformitätserklärung ist die Definition der Prototypen in der SDLWindV und NELEV-Verordnung und den Richtlinien VDE-AR-N 4120 und 4110 relevant.

Anlagen mit Prototypenstatus dürfen ohne Anlagenzertifikat ans Netz gehen. Eine Prototypenbestätigung ist ausreichend, in der eine Zertifizierungsstelle die wesentliche technische Weiterentwicklung bestätigt.

Für Inbetriebnahmen bis Ende Juni 2017 gilt die SDLWindV. Für diese Anlagen muss spätestens 2 Jahre nach Inbetriebnahme der ersten EZE in der EZA das Anlagenzertifikat (und das Einheitenzertifikat) vorliegen. Die Konformitätserklärung wird innherhalb von 6 Monaten nach dem Anlagenzertifikat erstellt.

Für Inbetriebnahmen ab Juli 2017 gilt die NELEV. Für diese Anlagen muss spätestens 2 Jahre nach Inbetriebnahme des ersten Prototypen ein Einheitenzertifikat vorliegen. Spätestens 2 Jahre nach Vorliegen des Einheitenzertifikates muss Anlagenzertifikat und Konformitätserklärung nachgereicht werden.

Der Prototypen-Status gilt 2 Jahre lang, unabhängig vom Datum des Einheitenzertifikates (VDE-AR-N 4120:2015): „Ein Prototyp ist die erste Erzeugungseinheit eines Typs…und alle weiteren Erzeugungseinheiten dieses Typs, die innerhalb von zwei Jahren nach der Inbetriebsetzung der ersten Erzeugungseinheit dieses Typs in Betrieb gesetzt werden.“

Für Inbetriebnahmen voraussichtlich ab 27.4.2019 in der Mittelspannung gilt die VDE-AR-N 4110. Für diese Anlagen muss spätestens 2 Jahre nach Inbetriebnahme des ersten Prototypen ein Einheitenzertifikat vorliegen. Spätestens 1 Jahr nach Vorliegen des Einheitenzertifikates muss Anlagenzertifikat und Konformitätserklärung nachgereicht werden.

Der oben genannte Begriff „Prototyp“ hat keinen Zusammenhang mit dem Begriff der „Pilotwindenergieanlage“ aus dem EEG. Im EEG wird zwar unter anderem auch das Kriterium der wesentlichen technische Weiterentwicklung angesetzt, wie bei den Prototypen, jedoch auch weitere Kriterien wie maximal 6 MW installierte Leistung oder der Bedarf einer Einheitenzertifizierung, die zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme noch nicht erteilt ist. Der Vorteil von „Pilotwindenergieanlagen“ ist, dass diese von der Ausschreibungspflicht ausgenommen sind (bis 125 MW pro Jahr) und auch bei dauerhaft negativen Strom-Marktpreisen einen Vergütungsanspruch behalten.

2018-10-02T14:03:12+00:0002.10.2018|